Abenteuergeschichte: Auf der Insel

Der heruntergekommene Transporter hielt vor Emins Haus. Der Junge ging hoch in sein Zimmer. Er hatte Angst, man würde ihn entführen. Er hatte gerade das Handy in die Hand genommen, als die Eingangstür aufkrachte. Emin hörte ein Stampfen. Seine Eltern wären nicht sehr erfreut gewesen, wenn sie die Flecken auf dem Teppich gesehen hätten. Ach, wären es doch nur seine Eltern – diese blöden Schritte, wie sie die Treppe hochkamen.

Emin hatte noch 70 Sekunden, dann würden sie sein Zimmer öffnen. Er wählte die Nummer und drückte auf „Anrufen“. Da schlug seine Tür auf.
Das Letzte, was er sah, waren zwei Männer – einer mit einem Tuch, der andere mit Kabelbindern. Er hörte eine weibliche Stimme sagen: „Polizei, wie kann ich Ihnen helfen?“ und nach einer kurzen Pause: „Hallo? Ist da wer?“
Emin spürte einen weichen Stoff an Mund und Nase. Schnell wurden seine Gedanken neblig.

Als Emin aufwachte, lag er in einer Zelle – wenn man es so nennen mag, es war eher ein Käfig. Seine Füsse und Hände waren gefesselt. Was war passiert? Nun schoss ihm alles wieder in den Kopf: die Entführung, der Versuch sich zu retten. Und nun lag er da, konnte kaum einen Finger krümmen, lag in seiner Zelle. Er versuchte aufzustehen, doch da schlug er mit seinem Kopf hart gegen die Decke. Der Schmerz schoss in all seine Glieder. Emin wollte stöhnen, doch es kam nur ein „Hmmpff“ heraus. Da bemerkte er, dass er nicht nur gefesselt und geknebelt war, sondern auch nicht der Einzige im Raum.

Über ihm sass ein Mann auf einem Stuhl, der an einem Tisch stand. Da sein Kinn heruntergeklappt war, erkannte man, dass er schlief. Emin stand auf und setzte sich an den Tisch. Da geschahen mehrere Dinge gleichzeitig: Der Mann schaute auf und zog Handschellen von unter dem Tisch hervor. Er befestigte ein Ende an Emins Hand und das andere am Tisch. Gleichzeitig kamen ein zweiter und ein dritter Mann herein. Der eine hielt Emins Kopf, während der andere ihn mit Klebeband festband.

Der Wagen hielt an, was Emin verblüffte, weil er gar nicht bemerkt hatte, dass sie fuhren. Ein Mann nahm Emins Knebel weg, während der andere die Kabelbinder löste – leider nur an den Händen. Sonst hätte er wegrennen können. Die Transportertüren schwangen auf und Emin sah den Hafen. Es war Nacht. Nur kurz sah Emin den Anblick der Freiheit, denn die Türen flogen wieder zu. Ein Mann blieb drinnen.

„Du wirst mit uns eine Reise machen – auf die Gefängnisinsel. Du wirst uns bei der Mission behilflich sein. Klar?“, sagte eine tiefe Stimme.
„Und wenn ich nicht will?“, antwortete Emin trotzig.
„Dann werden wir gewisse Massnahmen ziehen müssen“, sagte die Stimme ruhig.
Plötzlich zog der Mann vor Emin eine Pistole aus dem Mantel.
„Okay, okay“, sagte Emin hastig, „ich mache mit.“
„Besser so“, meinte die Stimme kalt.

Die Mission

„Worum geht es bei eurer Mission?“, fragte Emin.
„Ein ehemaliger Gefangener hat dort einen Schatz versteckt – und wir werden ihn finden. Heute um Mitternacht werden wir ablegen. Du bringst jetzt die Kisten rein. Wir gehen in die Bar. Ich gebe dir diese Uhr“, sagte der Mann. Er nahm Emins Arm, doch Emin sagte: „Nein! Ich will nicht diese Uhr – das ist doch ein Taser!“

„Was willst du tun? Du kannst dich nicht wehren“, meinte der Mann gelassen.

Das stimmte, denn Emin war an den Stuhl gefesselt und seine Hand war mit einer Handschelle an den Tisch gebunden. Nun befestigte der Mann die Uhr an Emins Handgelenk. „Das ist ein Taser – und ich habe die Fernbedienung.“ Um es zu zeigen, liess er einen elektrischen Schock durch Emin fahren. „Und denk nicht daran abzuhauen. Ich sehe alles.“
Er nahm Emin alle Fesseln ab.

Emin stand auf und wollte gehen. Doch der Mann sagte: „Explorer. Das Schiff der Marine. Die Kisten sind daneben. Alle runter in den Laderaum.“
Er machte die Türen auf und liess Emin raus. „Wenn du fertig bist, komm in den Transporter“, waren seine letzten Worte, bevor er in der Nacht verschwand.

Das Schiff

Die „Explorer“ war nicht übersehbar: ein Marineschiff mit Hubschrauberlandeplatz und Platz für ein Auto. Es lag am Ende des Docks. Ein Stapel Kisten stand daneben. Emin kletterte auf den Stapel, nahm die oberste Kiste und ging aufs Schiff. Es war nicht schwer, den Laderaum zu finden, denn alles war beschriftet.

Zwanzig Minuten lang lief alles ohne Zwischenfall. Doch als die letzte Kiste verstaut war, wollte Emin raus – raus in die Freiheit. Er wollte nicht in den Transporter zurück.

Er rannte über das Dock, vorbei am Transporter. Doch plötzlich hörte er eine Stimme:
„Das hättest du nicht tun sollen.“
Der Taser gab Emin in diesem Moment einen Elektroschock. Das war das Letzte, was er spürte.

Die Gefängnisinsel

Die Gefängnisinsel war das nächste Stück Land, das Emin mit seinen Füssen berührte. Er hatte irgendwie die Fahrt überlebt und stand nun vor der Zelle 30. Hier sollte der Gefangene den Schatz versteckt haben. Der Schatz sei eine Million wert, hatte die Crew gesagt. Das Schloss war sehr rostig, sie mussten es aufbrechen. Es war mitten in der Nacht.

Sie sperrten Emin in die Zelle daneben. Diese Zelle war ganz neu – sie öffnete sich per Fingerabdruck. Emin hatte oft daran gedacht, durchs Fenster zu fliehen, doch sie hatten ihn gewaltsam auf den Boden gedrückt und seine Hände auf dem Rücken gefesselt. So konnte er nicht schwimmen.

Am nächsten Morgen liessen sie Emin eingesperrt, während sie die Zelle aufbrachen und von oben bis unten durchsuchten. Die Sonne stach in Emins Augen, deshalb verkroch er sich unter der Pritsche.

Am dritten Tag lag er da und sah etwas schimmern. Er hob den Kopf, um es besser sehen zu können. Das war ein Fehler – er schlug sich den Kopf an. Er versuchte lautlos zu schreien, doch es gelang ihm nicht ganz. Von nebenan hörte man eine Stimme sagen:
„Was ist? Sei leise, wir müssen nachdenken!“
„Okay“, antwortete Emin leise.
Morgen würde er sehen, was da war.

Der Fund

Am nächsten Mittag stand Emin versunken in Gedanken unter der Steinpritsche. Er ass seine Haferkleie und wollte in seine Zelle, als Hardy ihn zurückzog. Hardy war der Chef der Organisation – das hatte Emin inzwischen herausgefunden. Zusammen wollten Hardy, Alberto und Deathaby Wolfe den Schatz finden.

„Hilf uns“, sagte Deathaby. „Mach Essen.“

Als Emin gekocht hatte, bückte er sich, um das schimmernde Etwas zu sehen:
Es war ein Goldbarren.

Er rief: „Ich hab den Schatz! Bei mir in der Zelle!“
Als Hardy die Zelle geöffnet hatte, kamen die anderen herein.
„Wirklich, Zelle 31“, sagte Alberto. „Wir können nicht richtig lesen – 30, 31…“

„Lasst ihr mich jetzt frei?“, fragte Emin hoffnungsvoll.
„Nein, wir fahren ohne dich“, sagte Hardy.

So passierte es, dass Emin alleine in seiner Zelle blieb.

Die Rettung

Jeden Tag hoffte er, dass jemand kam. Doch am vierten Tag geschah etwas:
Eine Stimme der Küstenwache war zu hören. Zwei Polizisten kamen in Emins Sichtfeld. Sie brachen das Schloss auf und holten ihn heraus.
Auf dem Boot wartete ein Polizist, der sich alles von Emin erzählen liess.

Als er fertig war, fragte der Polizist:
„Hast du dich gefragt, woher sie die Handschellen und alles hatten?“
„Eigentlich nein“, antwortete Emin.
„Alberto hat früher bei der Polizei gearbeitet. Daher konnte er aufs Schiff kommen“, sagte der Polizist. „Er hatte aber vergessen, dass wir da waren.“

Emin war sprachlos – Hardy, Deathaby, Alberto…
Sie hiessen eigentlich gar nicht so.

„Wo sind wir eigentlich?“ fragte Emin.
„Auf dem Meer“, bestätigte der Polizist.

Sie fuhren zurück zur Küste, wo Emins Eltern schon sehnsüchtig auf ihn warteten.
Emin dachte noch: "Was für ein Abenteuer", bevor er die Geschichte noch einmal erzählen musste...

Tony, 5. Klasse

(Bild durch KI generiert)